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BAYERN - BLACKOUT: "WIR HABEN GOTT SEI DANK NOCH ANALOGEN FUNK"

BAYERN - BLACKOUT: "WIR HABEN GOTT SEI DANK NOCH ANALOGEN FUNK"

#1 von Detlef Wipperfürth , 23.11.2022 05:40

BAYERN - BLACKOUT: "WIR HABEN GOTT SEI DANK NOCH ANALOGEN FUNK"

Kreisbrandrat Christoph Gasteiger erläutert im SZ-Interview, wie die Feuerwehren im Landkreis auf einen flächendeckenden und lang anhaltenden Stromausfall reagieren. Und was sie tun, wenn digital nichts mehr geht.
Christoph Gasteiger ist seit diesem Jahr der oberste Feuerwehrmann im Landkreis. Als Kreisbrandrat steht er der Kreisbrandinspektion vor und berät im Wesentlichen Kreis, Städte und Gemeinde bei Feuerwehrfragen. Es ist ein Ehrenamt, das der 45 Jahre alte Familienvater aus Moorenweis bekleidet. Auch politisch ist er ehrenamtlich tätig, nämlich als Dritter Bürgermeister seiner Gemeinde. Im Hauptberuf leitet er die Produktion und Technik bei BR 24 des Bayerischen Rundfunks. Im Interview mit der SZ beschreibt er, wie die Feuerwehren vorgehen würden, sollte es zu einem Blackout kommen und was jeder einzelne tun könnte. Dabei warnt er ganz dringend davon, im Haus Feuer zum Heizen zu machen.

SZ: Herr Gasteiger, wie würde die Feuerwehr im Landkreis auf einen großflächigen Stromausfall reagieren?

Gasteiger: Bei der Feuerwehr haben wir zwei Säulen. Die eine, das sind die kommunalen Feuerwehren in unseren Gemeinden, die sich darauf schon vorbereitet haben. Und die zweite Säule ist die Kreisbrandinspektion. Bei einem Blackout würden alle verfügbaren Einsatzkräfte in ihren Feierwehrhäusern zusammenkommen. Die Alarmierung durch die Leitstelle ist gesichert. Wir haben im städtischen Bereich vorwiegend die stille Alarmierung über die Meldeempfänger. Das wird funktionieren, solange der Meldeempfänger aufgeladen ist. Wo es schwieriger sein könnte, ist im ländlichen Bereich, wo wir die Sirenenalarmierung haben. Neue Sirenenanlagen verfügen über einen Akku und können damit die Alarmierung wiedergeben. Die alten Motorsirenen aber funktionieren nur mit Strom. Da können wir Alarme schicken, wie wir wollen, die werden bei einem Stromausfall nicht funktionieren. Es ist vereinbart, dass überall dort, wo die Alarmierung nicht zustande kommen sollte, die Einsatzkräfte bei einem Stromausfall von mehr als 15 Minuten selbständig zusammenkommen. Es kann auch vereinbart werden, dass ein Einsatzfahrzeug mit Martinshorn und Durchsage durch den Ort fährt und auf diese Weise alarmiert. Das obliegt der jeweiligen Organisation der kommunalen Feuerwehr.

Ist ein solches Szenario schon einmal durchgespielt worden oder muss noch geübt werden?

Es erfolgt kontinuierlich eine Sensibilisierung in Abstimmung mit den jeweiligen Feuerwehren. Es liegt aber in jedem Fall immer in der Verantwortung der jeweiligen Feuerwehr, mit welchem System sie die Alarmierung vornimmt. Die Kreisbrandinspektion kann dabei als Ideengeber auftreten.

Welche Vor- und Nachteile hat dieses dezentrale Modell?

Es hat Vorteile, wenn es in den Feuerwehren mit der nötigen Ernsthaftigkeit geplant wird. Die Feuerwehren können besser auf individuelle Situationen in ihrem Ort eingehen. Wenn wir als Kreisbrandinspektion eine Direktive herausgeben würde, würde sie nicht für alle Feuerwehren passen und damit auch nicht immer zum Ziel führen. Diese dezentrale Struktur ist gut und gibt mehr Sicherheit.
Kommunikation wird in einem Krisenfall noch wichtiger. Wie verständigen Sie sich untereinander, funktioniert der Digitalfunk noch?

Die Gemeinden beschaffen derzeit Satellitentelefone, mit denen sie mit der Kreisbehörde kommunizieren. Die Kreisbrandinspektion wird auch ein Satellitentelefon haben und damit mit dem Landratsamt kommunizieren können. Das ist aber kein Gerät, mit dem sich Feuerwehren untereinander verständigen, mit dem wir Einsätze koordinieren und Notrufe abarbeiten. Dafür haben wir den Digitalfunk. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Digitalfunk im Falle eines Blackouts nicht mehr zur Verfügung steht, ist extrem groß.
Und dann?
Dann werden wir als Rückfallebene den analogen Funk nutzen. Den gibt es Gott sei Dank noch. Wir sollten ja in Bayern seit längerer Zeit Jahren digital alarmiert werden. Das wurde aus verschiedenen Gründen noch nicht umgesetzt, da gab und gibt es auch technische Probleme. So erfolgt die Alarmierung immer noch analog. Und das funktioniert in dem Funknetz, mit dem früher auch der Sprechfunkverkehr abgewickelt wurde. Die Anlagen stehen voll funktionsfähig zur Verfügung. Ich habe allen Feuerwehren empfohlen, analoge Funkgeräte vorzuhalten. Die wenigen Feuerwehren im Landkreis, die keine analogen Funkgeräte mehr haben, sind dabei, wieder welche zu beschaffen. Über diesen Funk würden wir alle Aufträge abarbeiten und mit der die Leitstelle kommunizieren. Zum Beispiel, wenn die Feuerwehr eine Leuchtturmfunktion erfüllt, also als Anlaufstelle für die Bürgerinnen und Bürger definiert ist, dann kann von da aus ein Notruf an die Leitstelle abgesetzt werden.

Welche Gefahren sehen Sie, welche Einsätze könnte es geben, wenn es zu einem flächendeckenden und länger andauernden Stromausfall kommen sollte?
Das hängt immer davon ab, wann ein Blackout passiert. Nehmen wir an, es hat minus 20 Grad und es muss sehr viel geheizt werden. Dann kann es sein, dass die Menschen mit anderen Methoden zu heizen versuchen. Die stellen sich einen Grill in die Wohnung, und schon setzten sie sich dem Risiko aus, von einer Kohlenmonoxidvergiftung schwere gesundheitliche Schäden davonzutragen oder zu sterben. Es ist der ungeübte Gebrauch von Feuer und offenem Licht, der gefährlich werden kann. Wenn etwa ein alter Ofen vorhanden ist, aber die Bewohner keinerlei Praxis haben, damit umzugehen. Ganz prekär ist das Thema Teelichtofen oder Kerzenöfen. Bei einer schlecht durchlüfteten Wohnung ist das Risiko exorbitant, bei hohem Kohlenmonoxidgehalt sein Leben zu lassen. Das, was in manchen Foren zum Thema Notheizung verbreitet wird, ist grober Unfug und in höchstem Maße fahrlässig.
Es erscheint dennoch beunruhigend.

Es kommt immer darauf an, wann es passiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass es nachts passiert, ist eher gering. In den Wintermonaten ist die Mittagszeit oder der beginnende Abend eher wahrscheinlich. In der Rush hour müssen wir mit ausgefallenen Ampeln rechnen, Züge werden stehen bleiben, Aufzüge werden stecken bleiben - diese Einsätze werden die Feuerwehren in der ersten Phase massivst belasten. Da wird man mit langen, bis sehr langen Wartezeiten rechnen müssen. Nehmen wir an, wir müssen einen Zug auf freier Strecke evakuieren, das wird sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, es bindet etliche Kräfte.
Wie könnten Sie die Bevölkerung informieren?

Wir könnten, wenn die Kommune es möchte, mit unseren Fahrzeugen durch den Ort fahren und Lautsprecherdurchsagen zu machen. Das wird nicht sofort passieren, sondern erst dann, wenn es valide Informationen gibt und Prognosen der Stromversorger, wie lange der Ausfall dauern könnte. Wir wollen dem Bürger wertvolle Informationen näherbringen.

Wie soll man sich nun verhalten, wenn der Strom ausfällt?

(lacht) Auf keinen Fall die Feuerwehr rufen! Solange man noch kommunizieren kann, einfach Ruhe bewahren, abwarten und selber sondieren, was passiert. Wenn dann zu viele Notrufe eingehen, werden die Kanäle zumachen für diejenigen, die wirklich einen Notfall haben. Wie komme ich zu Informationen? Übers Radio, mit einem batteriebetriebenen Radio am besten die Nachrichten hören. Wir sollten uns an einige positive Erkenntnisse aus der Pandemie, den Lockdowns erinnern. Auch da haben sich die Menschen zu Hause aufgehalten, das öffentlich Leben ist zum Erliegen gekommen. Dieser Zustand ist für die allgemeine Sicherheit und Ordnung optimal. Die in der Pandemie geübte Resilienz kann man auf diesen Zustand übertragen.

Quelle und Fotos: Süddeutsche Zeitung


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Detlef Wipperfürth
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